Itaipu

Ein monströses Bauwerk aus Stahl und Beton, geplant von zwei Militärdiktaturen, das günstigen und sauberen Strom für Millionen Menschen liefert: Der Stausee Itaipu (spanisch: Represa de Itaipú; portugiesisch: Barragem de Itaipu), durch den die Grenze zwischen Paraguay und Brasilien verläuft, ist eine spektakuläre Errungenschaft mit dunkler Geschichte.

Saubere Energie

Die 7235 Meter lange und 196 Meter hohe Staumauer verschluckte so viel Stahl und Beton, das man damit über 200 mal das Maracanã-Stadion oder 380 mal den Eiffelturm hätte bauen können. Durch den Damm wird der Río Paraná, der siebtgrößte Fluss der Erde, auf 170 Kilometern Länge gestaut. Bei maximalem Stauvolumen wird dadurch eine Fläche von 1460 Quadratkilometern geflutet, was zweieinhalb mal dem Bodensee entspricht. Mit einer Stromerzeugungskapazität von 14 GW ist Itaipu, 340 Kilometer östlich von Paraguays Hauptstadt Asunción gelegen, zudem das zweitleistungsstärkste Wasserkraftwerk der Welt, übertroffen nur von der 2006 fertiggestellten Drei-Schluchten-Talsperre in China.

Dunkle Geschichte

Geplant wurde der Bau der Staumauer Anfang der 1970er Jahre von den Militärregimen Brasiliens (unter Diktator Emílio Médici) und Paraguays (unter Diktator Alfredo Stroessner). Die Verträge wurden 1973 in Brasilía unterzeichnet, mit Kosten von fast 20 Milliarden US-Dollar zählte der Bau zu den teuersten Projekten der Welt. Etwa 34.000 Arbeiter waren an der Konstruktion beteiligt, 145 Menschen wurden während der Bauarbeiten getötet. Auch auf die Einwohner der Region, mehrheitlich Indigene vom Volksstamm der Guaraní, nahmen die Militärdiktaturen kaum Rücksicht, etwa 10.000 Familien wurden zwangsumgesiedelt. Durch das Aufstauen des Paraná wurden die Sete-Quedas-Fälle (spanisch: Saltos del Guairá, portugiesisch: Salto das Sete Quedas do Guaíra), die damals nach Durchflussvolumen größten Wasserfälle der Erde, geflutet. Um die Schifffahrt auf dem Stausee zu erleichtern ließen Brasiliens Militärherrscher gar die Felswand der Fälle sprengen und vernichteten die Sehenswürdigkeit damit unwiederbringlich.

Auf Tour durch die Staumauer

Heute steht das Ufer des Stausees unter Naturschutz, durch den Corredor Ecológico de Santa Maria ist der Itaipu-Stausee zudem mit dem brasilianischen Iguazú-Nationalpark (portugiesisch: Parque Nacional do Iguaçu) verbunden, der wiederum an den argentinischen Iguazú-Nationalpark (spanisch: Parque Nacional Iguazú) anschließt. Zu den touristischen Highlights zählen neben dem Stausee selbst auch geführte Touren durch die Staumauer. Reise-Tipp: In Hernandarias (Paraguay) und Foz do Iguaçu (Brasilien) gibt es jeweils ein Besucherzentrum.